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Review ZEISS ZX1 – Teil 1

35mm

Die ZX1 das Liebhaberstück

Die ZX1 ist anders, das wurde uns schon während ihrer Vorstellung am Rande der Photokina 2018 deutlich. Das Konzept – Shot – Edit – Share – ist auf die heutige Zeit zugeschnitten, in der Fotos innerhalb kürzester Zeit von der Kamera in die sozialen Medien überspielt und dort gezeigt werden.

Überhaupt ist die ZX1 anders als andere Kameras und auch sie wird sicher ihre Liebhaber*innen finden. Ich zähle mich dazu, weil ich gern mit nur einer Kamera und einem 35mm Objektiv losziehe. Ich mag Minimalismus und konzentriere mich gern auf das Motiv. Zudem mag ich Dinge, die gut in der Hand liegen und ein schönes Design haben. Ich bin auch ein Freund von Smartphone-Fotos, die ich kurz bearbeite und auf Instagram oder Facebook hochlade oder mit denen ich Freunde und Bekannte überrasche, so wie ich das früher mit einer Postkarte getan habe.

Eine Anmerkung am Anfang ist mir sehr wichtig. Mit der ZEISS ZX1 hat die Welt eine Kamera bekommen, die wirklich anders ist und auch wenn ich immer wieder von Vergleichen lese, so fällt mir tatsächlich keine einzige Kamera ein, die mit der ZX1 vergleichbar ist. Wer sich die vielen Details und Features der ZX1 unvoreingenommen ansieht und sich ein wenig Zeit zum nachdenken gönnt, der wird feststellen, dass von ZEISS ganz neue, innovative Wege beschritten wurden. Das Ergebnis ist ein absolutes Liebhaberstück für Menschen, die sich gern mit schönen Dingen umgeben.

Als Fotograf habe ich schon viele neue Kameras in der Hand gehabt. Allen lag jedoch ein Prinzip zugrunde, das es mir erlaubte, innerhalb kurzer Zeit das Gerät zu verstehen. Bei der ZX1 ist das anders gewesen und erstmals habe ich mich sofort mit der Bedienungsanleitung hingesetzt und habe sie von der ersten bis zur letzten Seite durchgearbeitet. Die Grundfunktionen, wie Zeit, Blende, ISO und ähnliches sind schnell abgearbeitet. Wo es dann aber anders wird ist die Kommunikation mit der Außenwelt. Via Bluetooth, W-Lan und USB-C Schnittstelle kommuniziert die Kamera mit der Welt, was aber nicht bedeutet, dass man ohne Internet nicht fotografieren könne, wie ich es in einigen Foren bereits gelesen habe.

Auch das Bedienkonzept via Touchscreen ist anders, denn die ZX1 verfügt lediglich über je einen Schalter zum Einschalten und Modiwechsel und die AF/MF Umschaltung, einen FN Druckknopf, einen Drehregler für den Dioptrinausgleich und zwei Drehregler, eines für die Einstellung der Belichtungszeit und das andere für den ISO Wert. Thats all! Konsequenterweise findet sich auch kein Kartenslot mehr, sondern lediglich einem USB-C Anschluss. Auch der Blitzschuh dürfte hier unter meine Schnittstellenliste gehören. Sehr minimalistisch das Ganze und das ist auch gut so, wie wir Berliner zu sagen pflegen.

Die ZX1 war schnell mit dem Smartphone und meinem mobilen Router über W-Lan verbunden. Auch die Bildübertragung mittels Bluetooth ging reibungslos von der Hand. Im nächsten Schritt band ich mein OneDrive Cloud-Verzeichnis ein, legte einen Ordner an, in dem ich die Bilder sichern konnte. DropBox wäre auch möglich gewesen, Mangels Account habe ich das mal ausgelassen. Mein Instagram-Account war schnell konfiguriert, wie auch die Einbindung meines Facebook Profils schnell erledigt war. Im Studio folgte anschließend der Verbindungsaufbau mit dem NAS mittels FTP.

Fast hätte ich es vergessen. Da gibt es noch die Möglichkeit, das Foto aus der Kamera heraus per Mail zu versenden. Genau das was ich brauche, um meine Urlaubsgrüße zu versenden. Auch hier ging die Einrichtung locker flockig von der Hand.

Das alles kann man machen, muss man aber nicht und wenn man mit der Kamera unterwegs ist, empfehle ich den Flugzeugmodus einzuschalten, sofern man keine Verbindung zu Smartphone oder Internet benötigt. Das spart Energie, obwohl in der Kamera ein leistungsstarken, austauschbarer Akku mit 3.190 mAh für die Energieversorgung steckt. Reicht die Energie mal nicht, ist die Kamera schnell mit meinem AkkuPack wieder aufgeladen.

Apropos Flugzeugmodus. Die Basis der ZX1 bildet ein stabil und flott laufendes Android. Gleich vorweg. Es lassen sich keine zusätzlichen Apps installieren, was ich angesichts der Sicherheit und Stabilität der ZX1 gut finde.

Nachdem ich alle Einstellungen zur Kommunikation der Kamera mit der Welt hinter mich gebracht hatte, musste ich das alles natürlich ausgiebig ausprobieren. Die Sicherung meiner Bilderdaten auf OneDrive lief reibungslos, wobei ich die RAW-Dateien im DNG-Format mit einer durchschnittlichen, unkomprimierten Größe von 77 Gigabyte trotz meiner mobilen Flatrate lieber über das W-Lan sichere. Auch die Übertragung mittels FTP auf mein NAS oder den FTP-Server auf dem Notebook finde ich ausgesprochen toll, denn wie dem auch sei, die Daten finden immer einen Weg aus der ZX1. Zu erwähnen wäre da sicher auch die Möglichkeit einen USB-C Stick anschließen zu können, ihn in die Kamera einzubinden, und anschließend zur Datensicherung unterwegs zu nutzen.

Um die Backup-Kapazität noch zu steigern, habe ich dann gleich noch ausprobiert, eine SanDisk Extreme PRO Portable SSD 1 TB an die ZX1 anzuschließen und siehe da, es funktioniert tadellos. Damit steht  mir auf Reisen reichlich kompakter Speicher zur Verfügung.

128 GB USB-C Stick @ ZEISS ZX1
SanDisk Extreme PRO Portable SSD 1 TB @ ZEISS ZX1

Über diese USB-C Schnittstelle habe ich ebenfalls die Möglichkeit, die ZX1 mit einem USB-C/HDMI-Adapter an den Fernseher oder das Tablet anzuschließen, das ist sicher vorteilhaft, wenn man zum Beispiel unterwegs ist und abends im Hotel die Bilder kurz durchgehen möchte. Auch für meine Workshops wird mir diese Funktion hilfreich sein, wenn ich die Bedienung der Kamera demonstrieren will. Vielleicht möchte ich mir aber auch einen Ordner mit einer Bildauswahl anlegen, die ich anschließend als Diaschau ablaufen lasse.

Intern gespeichert werden die Bilddaten auf einer 512 Gigabit großen SSD, die in Verbindung mit der performanten Hardware ein flottes Arbeiten erlaubt und das selbst bei der kamerainternen Verarbeitung der unkomprimierten RAW-Daten.

Shot – Edit – Share, das Konzept hinter der ZX1

Fange ich doch mal mit Punkt eins – der Aufnahme – an. Die ZX1 hat ein festverbautes Distagon Objektiv mit einem Blendenbereich von 2-22, einer Brennweite von 35 Millimetern, T* Vergütung und 30cm Naheinstellgrenze. Zur Kamera gehört eine Störlichtblende. Benötige ich sie nicht, wird an ihre Stelle ein zusätzlicher Ring ins Bajonett gesetzt, der die Kamera zusätzlich durch ein Gummi schützt. Das finde ich richtig klasse, denn somit sieht die ZX1 auch ohne Störlichtblende absolut vollkommen aus.

Anschließend gelangt das Licht auf den eigens von ZEISS entwickelten Vollformat Sensor mit 37,4 Megapixeln Auflösung. Objektiv und Sensor sind hervorragend aufeinander abgestimmt, was man bei jeder Aufnahme sieht. Schon bei Offenblende überzeugen die Bilder durch eine brillante Schärfe ohne störende chromatische Aberrationen. Wie schon erwähnt landen die fertigen Fotos wahlweise im JPG- und/oder DNG-Format auf der SSD. Überhaupt hat mich die Bildqualität mehr als überzeugt, geradezu begeistert. Die ZX1 liefert klare Farben und Kontraste und hat einen enorm großen Dynamikumfang. Gerade dieser Dynamikumfang ließ mit die Möglichkeit, in der Nachbearbeitung noch sehr viele Details aus den Tiefen wie auch Höhen rauszuarbeiten. Bei Offenblende und Motiven im Nahbereich zeigt sich dann ein sehr harmonisches Hintergrundbokeh, dass gerade Streetfotograf*innen zum Spielen einlädt. Alles in allem also ein sehr abgerundetes Bild und das zeigt, dass ZEISS es versteht, nicht nur hervorragende Optiken zu bauen.

Ob ein Bokeh als schön empfunden wird liegt immer im Auge der Betrachter*innen. Gerade für Streetfotografie finde ich das zartweiche Bokeh sehr angenehm.

Für uns geneigte Fotograf*innen bietet die Kamera ansonsten vielfältige Einstellungsmöglichkeiten, so wie wir sie auch von anderen professionellen Kameras gewohnt sind und auf die wir nicht mehr verzichten wollen. Genau an dieser Stelle jedoch sollten man sich mit der Handhabung der ZX1 besonders vertraut machen, denn die Bedienung findet im Wesentlichen über das helle und klare Touch-Display mit einer Größe von 4,34“ (10,16 cm im Format 16:9) und einer Auflösung von 1.280×720 Pixeln statt. Das ist anders und ja, es ist gewöhnungsbedürftig. Hat man das Bedienkonzept jedoch erst einmal drauf, erschließt sich der Rest der Kamera recht schnell von selbst. Wie schon geschrieben, hier ist das Handbuch genau das Mittel der Wahl und ja ich weiß, gerade wir Männer meinen immer, die Technik liege uns im Blut und wir verstünden die Welt daher intuitiv. Dem ist nicht so oder ich bin eine Ausnahme.

Eine Schnittstelle habe ich noch außer Acht gelassen, nämlich den hellen Sucher, den ein OLED-Display mit einer Auflösung von 1.920×1.080 Pixeln bildet. Gleich links neben dem Sucher befindet sich das Rädchen zum Dioptrinausgleich von -3 bis +3.

Das Display bietet vier verschiedene Modi. Nach dem Einschalten befindet man sich im Aufnahmemodus, der einem alles bietet, was für die Aufnahme von Fotos und Videos wichtig ist. Über ein Fingerwischen nach oben, erreicht man den Einstellungsmodus, mit dem sämtliche Einstellungen für die Grundfunktion der Kamera, sowie der Online-Konnektivität vorgenommen werden. Zurück im Aufnahmemodus gelangt man mit einem Fingerwischen nach unten in den darüber befindlichen Galerie-Modus zur Bildbetrachtung, wieder darüber befindet sich der App-Modus, wo wir Zugriff auf Anwendungen von Drittanbietern wie beispielsweise Lightroom bekommen. Mit ein wenig Übung hatte ich mich schnell zurechtgefunden und inzwischen bin ich mit der Kamera per Du.

Überhaupt bietet mir das Display vielfältige Informationen, die ich je nach Bedarf und persönlicher Arbeitsweise zuschalten kann. Informationen wie Akkustand und Speicherkapazität auf der SSD, Histogramm, Belichtungskorrektur, Blende, Zeit, Iso oder die sehr praktische und große Wasserwaage im unteren Bildbereich. Angaben zur Fokusentfernung, dem Schärfebereich und der Hyperfokalen Distanz. Rechts daneben hinter dem Knick im Display liegen die Symbole um zu den Detaileinstellungen wie z.B. Selbstauslöser, Panorama, Weißabgleich etc. zu gelangen. Schnell merkt man, dass hier viel Denkarbeit geleistet wurde.

Ich kann an dieser Stelle nicht gleich auf alle Details eingehen, die die ZEISS ZX1 für mich zu einer so besonderen Kamera machen. Das werde ich in nächster Zeit in einigen Einzelbeiträgen ausführlich nachliefern. Daher an dieser Stelle ein erstes Fazit.

Mein wirklich ganz persönliches erstes Fazit – nach vier Wochen intensiver Arbeit mit der ZX1

Die ZEISS ZX1 ist eine Kamera, die durch ihr ergonomisches Design sehr gut in der Hand liegt. Sie ist groß und mit 834 Gramm kein Leichtgewicht, was allerdings der Leistungsfähigkeit geschuldet ist. Die hervorragende Bildqualität steht außer Frage, immerhin kommt sie aus einem Haus, in dem seit vielen Jahrzehnten hervorragende Optiken gebaut werden. Herausragend ist auch der von ZEISS entwickelte Sensor, der einen enormen Dynamikumfang abzubilden in der Lage ist. Die Fotos aus der Kamera sind schon ohne Bearbeitung etwas ganz Besonderes und zeigen, dass das Objektiv absolut auf den Sensor abgestimmt ist. Mir hat es vom ersten Moment an Spaß gemacht, mit der ZX1 zu loszuziehen und zu fotografieren. Sicher, man muss diese Art der Fotografie mögen und mir ist auch klar, dass diese Kamera etwas für Individualisten ist. Selten hat mich eine Kamera vom ersten Moment an so begeistert und mir Lust auf viele weitere Fototouren gemacht.

Noch eine Anmerkung zum Schluss: Immer wieder lese ich, dass ZEISS bei der ZX1 inkonsequent sei, indem der Kamera kein SIM-Slot mit G4 oder gar G5 spendiert wurde. Klar wäre das eine Option, doch angesichts der Tatsache, dass mein Smartphone eh mit allen möglichen Geräten verbunden ist, und kommuniziert, macht es mir nichts aus, auch noch die ZX1 per W-Lan anzubinden. Für viele Fotograf*innen ist das jedoch sinnfrei, denn echte Mobile Flatrates sind noch rar gesät und wenn, dann recht teuer. Ich glaube es ist daher deutlich sinnvoller, das Smartphone zu nutzen oder wie ich es mache, einen mobilen Router einzusetzen. Immerhin würde ein Mobilfunkmodul sehr viel zusätzliche Energie verbrauchen, die ich lieber zum fotografieren nutze.

Da die ZEISS ZX1 noch viel mehr bietet, als ich hier bisher geschrieben habe, folgen Einzelbeiträge zu speziellen Themen wie „Edit – Bildbearbeitung mit Lightroom mobile“ und „Videofunktion“, sowie zu dem großen Bereich „Share – teilen von Bildern in Facebook und Instagram“.

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