Um es vorweg zu nehmen, es sind genau drei Dinge die mich an dem neuen ZEISS Batis 2.8/135 Apo Sonnar am stärksten begeistert haben. Da wäre erst einmal die Brennweite von 135 Millimetern, denn bisher war bei ZEISS im E-Mount bei 85 Millimetern die Welt zu Ende. Mit seiner Anfangsblende von 2.8 bietet das Batis genug Lichtstärke um bei Available Light fantastische Aufnahmen zu realisieren. Das Batis ist ein Apo Sonnar und damit nahezu frei von Farbfehlern und chromatischen Aberrationen. Selbst bei starkem Gegenlicht bilden sich keine Farbsäume und das bereits bei offener Blende.

Es ist immer etwas Besonderes, ein neues Objektiv auszupacken, in die Hand zu nehmen und dann an die Kamera anzusetzen. Beim ZEISS Batis 2.8/135 war das nicht anders. Was dann folgte waren viele Touren, zu denen ich das neue Batis mitnahm, viele Aufnahmen sind entstanden. Den Praxistest im Studio wie on Location hat das neue Batis dann auch voll bestehen können. Dieses Review beruht daher auf Basis einer zweimonatigen Probezeit. Für Fragen stehe ich auf alphafotograf.de gern zur Verfügung.

Die Batis Familie - Gemeinsamkeiten

Wir Menschen neigen immer wieder gern zu Vergleichen. Sie sind es, die uns helfen Dinge einzuordnen, zu sortieren, zu begreifen, und um mit einem Vergleich zu beginnen, gehe ich erst einmal auf die Gemeinsamkeiten der Batis Objektive ein. Wie das 2/25 und das 1.8/85 hat auch das neue Batis einen Filterdurchmesser von 67 Millimetern, lediglich das Batis 2.8/18 unterscheidet sich in diesem Punkt mit einem Filterdurchmesser von 77 Millimetern. Wer bereits 67er Rundfilter verwendet wird sich über diese Kontinuität freuen. Nebenbei bemerkt besitzen alle ZEISS Loxia Objektive einen Filterdurchmesser von 52 Millimetern! Mit meinen LEE Filtern komme ich also mit genau drei Adapter-Ringen aus! So viel zum Thema Wirtschaftlichkeit.

ZEISS Batis 2.8/135 | ZEISS Batis 1.8/85 | ZEISS Batis 2/25 | ZEISS Batis 2.8/18

Optische Bildstabilisierung

Bei längeren Brennweiten ist eine zusätzliche Stabilisierung im Objektiv einer Stabilisierung in der Kamera in Teilen überlegen. So besitzt das neue 135er Batis, wie schon das 85er Batis eine sehr wirksame Bildstabilisierung, die mit der Stabilisierung in der Kamera zusammenarbeitet. An Kameras ohne Bildstabilisierung bieten diese beiden Batis Objektive, gerade wegen der Stabilisierung einen extremen Vorteil. Beim ZESS Batis 2.8/135 wirkt die Stabilisierung deutlich spürbar und spielt diesen Vorsprung gerade in Situationen mit wenig Licht aus. Von daher sehe ich auch die Anfangslichtstärke von Blende 2.8 sehr entspannt, denn zusammen mit meiner Sony A7RM2 erlaubt mir das Batis Fotos in Situationen, die noch vor wenigen Jahren ohne Stativ nicht realisierbar gewesen wären. Bei geschmeidigen ISO 1600 halte ich so 1/20 Sekunde aus dem Stand, ohne dass das Foto verwackelt wird – wohlgemerkt mit 135 Millimetern Brennweite! Ich habe die Wirkung der Stabilisierung einmal an der Sony A6000 ausprobiert und war vom Ergebnis sehr angetan. Immerhin kommen wir im APS-C auf eine Brennweite von ca. 200 Millimetern.

Ja, "nur" Blende 2.8 und ich höre schon wieder die Rufe nach mehr Lichtstärke. Das bei einer Brennweite von 135 Millimetern eine 2.8er Blende für Portraits völlig ausreichend ist wird leider zu wenig gesehen. Bereits im „normalen" Portraitabstand wird es bei dieser Blende schwer werden Pupille und Nasenspitze scharf aufs Foto zu bekommen - bei Offenblende mitunter sogar schon beide Augen. Blende 2.8 reicht also aus, insbesondere um den typischen ZEISS Look zu erreichen und darauf kommt es mir sehr an. Zudem werden lichtstärkere Objektive deutlich größer und schwerer, müssen aufwendiger korrigiert werden und führen letztlich zu deutlich höheren Preisen, über die sich dann auch wieder beschwert wird. Und ja, auch ein G-Master hat irgendwo zwischen 70 und 200 Millimetern eine 135er Brennweite, wiegt aber auch 1.480 Gramm, also mal locker 866 Gramm mehr. Bleibt noch die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines Vergleichs zwischen einem Zoom und einer Festbrennweite. Zum Glück ist in der Fotografie für jeden Fotografen etwas dabei, von günstig bis so richtig teuer.

Aber weiter mit den Gemeinsamkeiten. Alle vier Batis Objektive besitzen am Bajonett einen blauen Dichtungsring, wodurch der Übergang zwischen Kamera und Objektiv gegen eindringende Feuchtigkeit geschützt ist und sich das Batis zudem fest mit der Kamera verbindet. Da wackelt absolut nichts, was bei anderen Objektiven nicht unbedingt der Fall ist. Zudem ist auch das 135er Batis insgesamt gegen Staub und Spritzwasser geschützt. In Bezug auf meine Objektive mache ich mir bei Regen keinerlei Sorgen und fotografiere bei Regen entspannt weiter. Noch nie hatte ich in einem ZEISS Objektiv Feuchtigkeit, oder mit ihm einen Ausfall zu beklagen. Überhaupt sind alle Batis- allerdings auch die Loxia Objektive sehr robust konstruiert und halten extrem viel aus. Da ist mein Vertrauen auch in das neue Batis sehr groß.

Es trägt nicht auf

Haben bereits die älteren Batis Objektive ein im Vergleich zur Größe geringes Gewicht, so macht da auch das ZEISS Batis 2.8/135 mit seinen 614 g keine Ausnahme. Es liegt sehr gut in der Hand und sein Schwerpunt liegt angenehm ausbalanciert irgendwo nahe der Kamera und somit ideal. Zur Erinnerung, das 2.8/18 wiegt 330 g, das 2/25 335 g und das Batis 1.8/85 bringt es auf gerade einmal 475 g. Alle vier Batis Objektive wiegen zusammen 1.754 g. Sollten irgendwann einmal ein 35er und 50er Batis kommen, lägen wir wahrscheinlich noch immer unter 2,5 Kilo, was für eine Systemkamera wenig ist. War doch mein ursprüngliches Ziel die Gewichtsreduzierung, als ich zum E-Mount gewechselt bin – voila! Nicht selten höre ich Kritik am Fokusring der Batis Objektive, der aus einem strapazierfähigen rutschfesten Gummi gefertigt ist. Nun fokussiere ich recht häufig manuell und noch nie bin ich dabei mit meinen Fingern auf dem Fokusring eines Batis ausgerutscht, da kann das Wetter noch so mies sein. Zugegeben, ich bin auch noch nie fotografierend bei einem Schlammrennen mitgelaufen. Der manuelle Fokus wird beim Batis elektronisch auf den Antrieb übertragen, auch Focus by Wire genannt. Der Fokus lässt sich bei langsamer Drehung sehr fein justieren, wogegen schnelleres drehen am Fokusring die Fokusgeschwindigkeit erhöht, was kurze Wechsel der Entfernung zwischen Nah und Fern ermöglicht.

Verdammt nah am Otus

Das ZEISS Batis 2.8/135 zeichnet sich durch eine für diese Brennweite aufwendige optische Konstruktion aus und da komme ich nun zu genau dem Detail, dass mich nun wirklich begeistert hat. Bei diesem Objektiv handelt es sich um ein Sonnar, genauer gesagt ein Apo-Sonnar. Hinter den drei Buchstaben APO verbirgt sich eine optische Korrektur, die Farbfehler und chromatische Aberrationen reduziert. Diese chromatischen Aberrationen werden besonders an Motivkanten im Gegenlicht sichtbar. Wenn ich zuvor das Wort „reduziert" verwendet habe, dann muss ich das mit Sicht auf das neue Batis korrigieren. Ich habe in keiner meiner Aufnahmen chromatische Aberrationen entdecken können. Um dem tiefer auf den Grund zu gehen habe ich beispielsweise durch einen Starkstrommast gegen die Sonne fotografiert. Selbst im Randbereich, der immer anfälliger für chromatische Aberrationen ist, konnte ich nichts finden. Ich war beeindruckt und bin mir sicher, diejenigen die sich dieses Objektiv kaufen teilen sehr schnell meine Begeisterung. Ich bin bei Vergleichen immer sehr vorsichtig, wer mich kennt, der weiß das. An dieser Stelle hingegen wage ich mal einen Vergleich: Das ZEISS Batis 2.8/135 kommt von der optischen Qualität sehr dicht an das ZEISS Otus 1.4/85 heran, nicht im Punkt Lichtstärke und Bokeh, jedoch in nahezu allen anderen Bereichen. Das Batis zeigt eine sanfte kissenförmige Verzeichnung, die ich jedoch leicht in Lightroom oder Photoshop korrigieren konnte. Wäre dieses Objektiv optisch voll auskorrigiert, lägen wir im Bereich eines Otus – dicht davor ist aber auch schon sehr gut.

Sicherlich hinkt der Vergleich mit dem Otus ein wenig, aber gerade die MTF Kurven bestätigen doch deutlich, was jeder Fotograf in der Praxis schnell feststellen wird. Die Schärfe ist schlicht enorm und nicht jeder kann das Potenzial ausnutzen. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass wir uns in der Digitalfotografie inzwischen insgesamt auf sehr hohem Niveau bewegen.

Der Typische ZEISS Look

Gerade angesprochen fehlt noch eine Aussage zum Bokeh. Auch in diesem Punkt konnte mich das neue Batis zufriedenstellen. Das Bokeh ist ausgewogen, keine Überraschungen. Zum Rand hin bilden sich leichte ovale Bildpunkte. Letztlich kommt es aber immer auch auf den Abstand zwischen Kamera, Motiv und Hintergrund an. Bokeh ist zudem eine Frage des persönlichen Geschmacks. Da muss jeder selbst herausfinden ob ihm das Batis 2.8/135 in diesem Punkt zusagt.

Was wohl noch zu sagen wäre, aber inzwischen selbstverständlich für mich ist, sind so Dinge wie Schärfe, Farbwiedergabe und Kontrast. Da unterscheidet sich das 135er Batis nicht von den anderen Batis Objektiven. Das betrifft insbesondere den Charakter und die Farbwiedergabe, was gerade bei Fotoserien mit unterschiedlichen Brennweiten der Batis Reihe mit homogenem Bildmaterial belohnt wird. Das spart deutlich an Zeit in der Nachbearbeitung der Fotos, denn eine farbliche Anpassung der Bilder entfällt. Dieser Punkt ist auch für Videofilmer sehr bedeutend, denn gerade beim Objektivwechsel in einer Szene muss der Look gleichbleiben. Im Punkt Schärfe liegt das Batis 2.8/135 ganz weit oben und das bereits bei Offenblende – hatte ich aber bereits weiter oben erwähnt.

In der Praxis

Nach mehr als zwei Monaten mit dem Batis 2.8/135 blicke ich auf viele positive Erfahrungen zurück. Das Objektiv macht genau das was man von ihm erwartet - mehr noch, es überzeugt durch seine optische Leistung. Ob nun die Arbeit mit dem Autofokus oder manuelles Fokussieren und egal bei welchen Lichtverhältnissen, es ist ein Objektiv mit dem sich ordentlich und zuvverlässig arbeiten lässt. Was ich darüber hinaus erwähnenswert finde, sind ein paar Anmerkungen zum OLED Display. Nun wurde ich schon mehrfach gefragt, warum ein Objektiv mit 85 oder 135 Millimetern Brennweite ein OLED Display benötigt und ob das nicht überflüssig sei. Ich konnte in der Praxis schon nach kurzer Zeit feststellen, dass ich mich schnell an das Display gewöhnt habe und recht oft die Schärfentiefe kontrollierte. Mehr noch, gerade bei Architekturaufnahmen benutze ich diese Messfunktion, indem ich den nähsten und den entferntesten Punkt anmesse und damit den Schärfebereich ermittle. Dementsprechend wähle ich dann die Blende aus und bekomme ein Bild, das genau den Bereich scharf zeigt, der auch scharf abgebildet werden soll. Mit dem OLED Display bekommen wir Fotografen einen zuverlässigen Entfernungsmesser an die Hand. Zudem verbraucht das Display nicht spürbar mehr Energie. Das OLED Display halte ich daher für ein sehr brauchbates Hilfsmittel.

Wie bereits angesprochen war Kompaktheit und Gewichtsreduzierung mein Ziel beim Wechsel zum E-Mount-System, bzw. zu Systemkameras. Da ich ausschließlich mit Festbrennweiten und entsprechenden Filtersystemen unterwegs bin, muss die Ausrüstung - gerade auch in der Landschaftsfotografie - in einen Rucksack passen. In der Regel führe ich die ZEISS Loxia und Batis Brennweiten 18, 21, 35, 50, 85 und ab jetzt zusätzlich 135 Millimeter mit mir. Damit decke ich mein gesamtes fotografisches Spektrum ab.

Mein ganz persönliches Fazit

Nun hat sich das neue ZEISS Batis 2.8/135 in meiner täglichen Praxis bewährt. Es ist für mich ein hervorragendes Portrait-Tele, oder ein fantastisches Objektiv um Details in der Architektur oder Landschaft festzuhalten. Das Batis erlaubt Staffelungen in Landschaft und Stadt im Bild festzuhalten, wie es mit einem 85er Objektiv nicht möglich ist. Das bringt Spannung, manchmal Dramatik, ins Foto. Das ZEISS Batis 2.8/135 schließt harmonisch eine nach oben offene Lücke in meinem Obektivpark. Das 135er Batis ist leicht und handlich, mit moderater Lichtstärke und einer Schärfe, die mich schon bei Offenblende überzeugen konnte. Keine chromatischen Aberrationen zeigen die hohe Qualität und Leistungsfähigkeit, die einem Otus verdammt nahekommt. Das ZEISS Batis 2.8/135 Apo Sonnar wird für 1.999 Euro im Handel erhältlich sein. Das ist ein stolzer Preis für ein Objektiv, auf das die Entwickler bei ZEISS auch stolz sein können. Es ist aber auch ein Objektiv, dass ich als Fotograf ein Leben lang mit mir herumtragen werde. Die Kosten bekomme ich als Berufsfotograf bald wieder rein. Wichtiger ist mir jedoch, dass ich mit diesem Objektiv sehr gern arbeite und es gern in die Hand nehme – das gerade auch, weil es nur 614 Gramm auf die Waage bringt und mir trotzdem eine hervorragende Bildqualität liefert!

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